Als  Olympiasiegerbesieger ins neue Jahr

Erfurt – Am 31.12.2010 waren nicht nur reichlich Schnee und Kälte beim Erfurter Silvesterlauf am Start, sondern mit Michael Sauer, Steffen Ehrlich und meiner Wenigkeit auch drei unerschrockene Coburger Triathleten.

Die Anfahrt stellte an diesem Tag, trotz der starken Schneefälle über die Feiertage zu unser aller Erstaunen das geringste Übel dar! Eine relativ große Teilnehmerzahl und die erwähnten Witterungsbedingungen machten die Parkmöglichkeiten ziemlich rar. Doch nachdem auch diese Herausforderung von den drei Helden gemeistert wurde, allen voran „Driver“ MS, ging es frohen Mutes Richtung Steigerwaldstadion und Olympiastützpunkt, wo der Lauf stattfand. Doch die Freude über die schön langen Grünphasen der Fußgängerampeln hielt nur kurz an, bis ein ehrfürchtiges „Ich ahne böses…“ die Stimmung nach unten drückte. Denn die Streckenbedingungen die sich jetzt allmählich offenbarten waren, sagen wir mal, suboptimal. Viel Schnee, allerdings in der Mitte des Weges schön platt getrampelt mit einigen Löchern, nebst mehr Schnee, flankiert mit richtig viel Schnee, gewürzt mit einer Prise Streusplitt.

Skeptisch ging es dann durch den Startzielbereich direkt in die Leichtathletikhalle des Olympiastützpunktes. Nachdem die Starunterlagen geholt waren und ein kuscheliges Plätzchen zum Umziehen gefunden war, stand das Warmlaufen auf dem Programm. Verzweifelt auf der Suche nach der Ideallinie begaben wir uns auf die 2Km-Laufrunde, die während des Wettkampfes fünfmal hinter sich zu bringen war. Doch wie schon erwähnt: Die weiße Pracht, Glätte und die ehrbaren aber nutzlosen Räumversuche konnten den ersten Eindruck über die Streckenverhältnisse nicht korrigieren.

Doch Gott sei Dank sind wir alle stolze Besitzer von Spikes. Gott sei Dank sind die Spikes schön sauber und gepflegt und Gott sei Dank stehen die schön zuhause im Schuhregal – wäre doch schade, wenn wir die heute einsauen würden…  Außer, Herr Sauer natürlich! Gnadenlos zückte er ein Paar Spikes aus seiner Tasche um ihnen ein paar Laufkilometer aufzuzwängen. Da kommt dann halt doch die Erfahrung durch. Oder das Alter?... Nee, die Erfahrung!

Sei es drum. Steffen und ich haben uns nochmal kräftig in den aller Wertesten gebissen und dann doch den letzten Pippi ob der Strecke aus den Augen gewischt: Gleiche Bedingungen für alle! Und so ging es zum Start.

Wir reihten uns in ein doch schon beachtliches Läuferfeld von knapp 480 Leuten ein. Unter ihnen auch einige der thüringischen Laufelite aber auch bekannte nationale Laufstars, wie z.B.: Falk Cierpinski. Auch der ehemalige deutsche Mittelstreckenläufer und 800m-Olympiasieger, Nils Schuhmann, war am Start. Dazu kamen noch ein paar regional bekannte Triathleten, wie Profi Henry Beck oder Halbprofi Philipp Heinz. Aber auch die DTU-Kaderathletin Kathrin Müller vom Asics Team Witten wollte sich den „guten Rutsch“ in Erfurt nicht entgehen lassen.

Um Punkt 11:00 ertönte der Startschuss und das Feld machte sich mit Feuerwerk auf die fünf Runden des Hauptlaufes. Zwar war die allgemeine Devise „Gesundheit steht im Vordergrund, also langsam bei der Strecke“. Doch wie das halt so ist im Wettkampf… Michael Sauer legte sofort los –konnte er doch bisher eine sehr gute Winterform aufweisen. Aber Steffen – der ja seit seinem Motorradcrash noch nicht ganz der Alte ist – und ich – nach einem ziemlich verletzungs- und krankheitsgebeuteltem Jahr wusste ich auch noch nicht wo ich stehe – waren ihm dicht auf den Fersen. Es ging raus aus dem Olympiaareal, zweimal links und dann eine ca 600m lange sachte Steigung entlang des Stadions hinauf. Hier konnte ich aufschließen und mich an Micha’s Schulter festbeißen. Steffen verlor leicht den Anschluss. Doch was war das? Ein paar Meter weiter vorne lief Nils Schuhmann! Da die Beine gut waren und die Strecke doch besser zu laufen war als erwartet hieß es Angriff! Das bot sich auch an. Denn nachdem der Hügel erklommen war, kam wieder eine Neunzig-Grad-Biege und es ging ganz sachte bergab in eine Art Park. Doch die winklige Streckenführung machte es nicht leicht die Geschwindigkeit zu halten. Immer wieder hieß wegrutschen, Halt finden, antreten. Ziemlich kraftraubend bei dem Tempo. Doch der Zuschauerlärm wurde lauter und wir kamen wieder auf das Trainingsgelände. Gänsehaut pur als es durch das breite Zuschauerspalier ging. Die ersten 2Km waren geschafft! Und die Zeit? 7:30Min., 3:45er Schnitt, Mördertempo! Hallo Kollegen, es ist Dezember! Egal, weiter ging’s im flotten Galopp zum zweiten Mal die Steigung hinauf mit Nils Schuhmann vor den Augen. Der eher gemütlich war er unterwegs, hatte er doch vor dem Start angekündigt sich „auslaufen“ zu wollen. So kam es dann, dass wir einer nach dem anderen einen Olympiasieger überholten. Aber gut, er wollte es so und sah den Beißer! Doch der schwierige Teil kam noch: das Überunden! Mit jeder Runde wurden die Beine schwerer, die Strecke auch nicht besser und die Konzentration ließ nach. Und dann das immer wiederkehrende Umrunden von langsameren Sportskameraden. Doch mit „Achtung!“ und dem ein oder anderen freundlich gemeinten Rämpler klappte es trozdem und irgendwie kamen wir doch alle heil im Ziel an.

Im jugendlichen Leichtsinn konnte ich mich ab Mitte der ersten Runde absetzen ,das Tempo halten und absolut unerwartet als erster unseres Trios den Zieleinlauf genießen. Am Ende sprang eine super geile 38:05 heraus – für mich neue Bestzeit auf 10Km, Hammer! Die Folge war der 25. Gesamt und 16. in der AK. Den Vogel schoss auch Kollege Sauer ab: Beim Warm Up noch mit richtig flauem Gefühl, konnte er in sehr guten 38:24min als Gesamt 27. die gute Form mehr als bestätigen und die AK vor 146 anderen Mannsbildern gewinnen! Als Dritter im Bunde finishte Steffen in guten 38:59min als Gesamt 32. und 8. der AK. Die Zeit ist sicher nicht ganz sein Anspruch, doch aufgrund der Streckenverhältnisse zeigte auch er sich zufrieden. Wer jedoch den Mann aus dem Watzendorf kennt, weiß aber, dass der ein Ehrgeizling ist noch ganz gewaltig kommen wird!

So denn, alles in allem war es ein sehr gelungener Ausflug der die zwei Erkenntnisse brachte. Erstens, auch Olympiasieger sind schlagbar. Und zweitens, gute Spikes sind unersetzlich! Auf jeden Fall war es ein guter Jahresabschluss und man kann sagen, das neue Jahr kann kommen! In diesem Sinne alles Gute und Gesundheit für 2011!

Bericht: Phillip Kamp

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